Dachsanierung erfolgreich abgeschlossen!

Förderkreis Bahnhof Belvedere e.V. führte im Auftrag der Stadt Bauprojekt durch

Baustellenschild am Bahnhof Belvedere

Nach den rechtskräftigen Förderbescheiden des Bundes und des Landes NRW im Jahr 2012 erklärte sich der Förderkreis Bahnhof Belvedere e.V. bereit, die dringend notwendige Dachsanierung im Auftrag der Stadt Köln als Bauherr durchzuführen und organisatorisch zu betreuen. Die in dieser Form völlig neuartige Kooperation zwischen der Stadt Köln und einem auf der Basis ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements tätigen Verein wurde durch einen eigens dazu ausgehandelten Sanierungsvertrag in allen Einzelheiten geregelt.

 

Am Anfang standen Voruntersuchungen des Instituts für Baugeschichte und Denkmalpflege, Prof. Dr. Schöndeling, und des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften, Frau Prof. Dr. Waentig der FH Köln. Dabei wurde ein massiver konstruktiver Schaden im Dachstuhl festgestellt, der eine statische Notsicherung erforderlich machte. In den zugänglichen Teilen des Dachstuhls zeigten sich an verschiedenen Stellen Holzschäden durch eindringende Feuchtigkeit (Braunfäule), es fanden sich aber zunächst keine Hinweise auf einen nennenswerten Befall durch tierische Holzschädlinge.

In einem zweiten Schritt nahm ein Büro für Baustatik eine Anamnese des Bestands vor und erarbeitete ein Sanierungskonzept.

Diese Arbeiten erforderten zunächst eine Entfernung  von großen Mengen von Schutt, der sich in den Zwischenräumen der offenen Balkenlagen befand. Dies waren einerseits Schlacken von der ursprünglichen Schüttung, andererseits große Mengen früherer Dacheindeckungen. Neben  der ursprünglichen Schiefereindeckung aus Moselschiefer fanden sich auch Reste einer Deckung aus Doppelmuldenziegeln aus dem späten 19. Jahrhundert sowie  Dachpfannen aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Schutt und Reste alter Dacheindeckungen im Dachraum

Da der Dachstuhl schwer zugänglich war - nur über eine kleine Einstiegsluke in 4,50 m Höhe im Treppenhaus gelangt man hinein - entschied man sich für ein Absaugverfahren per Saugbagger.

So wurden etliche Tonnen Schutt entsorgt.

 

Die Einrüstung des Baudenkmals erwies sich insbesondere an der Rückseite als sehr aufwändig. Da in den Holzpfeilern des Wintergartens massive Schäden durch braunen Kellerschwamm festgestellt worden waren, durfte das Dach des vorspringenden Bauteils  nicht belastet werden. Dies wurde mit einer Brückenkonstruktion mit Gegengewichten am Fuß des Gerüsts sichergestellt.

Gerüstkonstruktion zur Überbrückung des Wintergartens

 

Nach der Anamnese, der statischen Berechnung, der Erstellung des Sanierungskonzepts und der Entsorgung der Alteindeckung bestand eine erste wichtige Maßnahme in der Sanierung, Restaurierung und Ertüchtigung der Tragwerkskon­struktion unter größtmöglicher Schonung der historischen Holzsubstanz. Während dieser Arbeiten schützte eine Notabdeckung mit Planen Dachkonstruktion und Gebäude.

Eine böse Überraschung bot das vorher nicht zugängliche Zeltdach über dem Treppenhaus. Hier ließ sich eine unfachmännische Reparatur mit Anhebung des Firstes und Verlängerung der Sparren ohne kraftschlüssige Verbindung nachweisen.  

Statischer Schaden am First Treppenhausdach

 

Die Wiegekarten der Rheinischen Zuckeraktiengesellschaft, die zwischen den Balken gefunden wurden, weisen darauf hin, dass diese  Reparatur schon in den 70 er oder 80er Jahren des 19. Jahrhunderts stattfand.  Anhaltende Undichtigkeiten hatten das Übrige getan, um in diesem Teil des Dachstuhls alle Balken, Sparren und Anschieblinge zu zerstören, so dass nur noch eine Kompletterneuerung möglich war. Dafür waren immer wieder Abstimmungen mit den Denkmalbehörden der Stadt und des Landes erforderlich. Als Experte stand dem Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. zudem Herr Prof. Dr. Nuß­baum vom Institut für Architekturgeschichte der Universität zu Köln zur Seite, der zuvor viele Jahre Leiter des Abteilung Baufoschung am LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland war.

Erneuertes Tragwerk Treppenhaus-Dach

 

Als Glücksgriff erwiesen sich die Handwerker der Holzbaufirma, welche mit ihrer handwerklichen Erfahrung, Gespür für die Konstruktion und großem Geschick  das Tragwerk vorbildlich in Stand setzten. 

Nachdem die Holzkonstruktion auf diese Weise wiederhergestellt war, wobei auch die teilweise erheblichen Verformungen des Tragwerks verbessert wurden, konnte die Holzschalung aufgebracht werden.

 

Ertüchtigung an Sparren und Pfette und die neue Holzschalung

 

Über einer Unterdeckung aus Folien erhielt das Dach eine altdeutsche Deckung mit bestem Moselschiefer. Anders als bei einer Pfannendeckung verlangt ein Schieferdach auf einem historischen Dachstuhl besonderes handwerkliches Können. Die Ebenmäßigkeit und Harmonie des Verlege- bildes am Schieferdach von Bahnhof Belvedere spricht dabei für sich.

 

Die beiden nicht mehr standsicheren und versotteten Kamine, deren undichte Dachanschlüsse zu gravierenden Feuchtigkeitsschäden bis in die Innenräume des Baus geführt hatten, wurden abgerissen, mit historischen Ziegeln im Preußischen Reichsformat neu aufgemauert und wie zuvor mit einem Abschlussgesims aus Lavabasalt versehen.


Die Untersichten der Dachüberstände wurden aufgrund des maroden Zustands mit profilierten Hölzern nach historischem Vorbild erneuert. Ebenfalls komplett erneuert wurde die Dachentwässerung mit Fallrohren, Zinkrinnen und Laubschutz-Abdeckung als Prophylaxe gegen das häufige Zusetzen der Rinnen und Fallrohre durch Blätter und Zweige.

Durchgefaulte Dachüberstande an den Kaminen vor...
...und nach der Sanierung

Nachdem die Dachhaut wieder wetterfest verschlossen war, brachte man im Inneren zwischen den Balkenlagen eine ökologische Wärme- dämmung auf Hanfbasis ein. Damit gibt es jetzt erstmals eine Wärme- isolierung der Obergeschossdecken, die allerdings so ausgewählt ist, dass von ihr keine tiefgreifenden Eingriffe in die Bauphysik der Konstruktion ausgehen.

Ertüchtigtes Dachstuhl-Tragwerk mit eingebrachter Wärmedämmung

Die Kosten der Dachsanierung beliefen sich auf 270.000 €. Trotz Nachträgen wegen unvorhersehbarer Mehrarbeiten wurden die von der Stadt Köln veranschlagten Kosten um 162.000 € unterschritten.

Das Dach des Denkmals hat seine historische Originalgestalt zurückerhalten

Dem Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. ist es gelungen, für die Dachsanierung eine Landes- und Bundesförderung in Höhe von 293.750 € als Anteilfinanzierung für 55% der Baukosten zu aquirieren. Bereits im Spätsommer 2013 war absehbar, dass ein Teil dieser Förderung nicht für die Dachsanierung benötigt würde. Der Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V.  bemühte sich daher erfolgreich bei der Bezirksregierung Köln um eine Umwidmung des nicht verbrauchten Förderanteils für die dringend erforderliche Grundsicherung Schwamm- und Holzschädlingsbefall.

Die Grundsicherungs-Maßnahmen

Nach dem einstimmigen Ratsbeschluss am 17.Dezember 2013 begannen im Januar 2014 die Arbeiten an der Grundsicherung der Gebäudesubstanz. Diese schließen folgende Maßnahmen ein:

  • Erneuerung der in Ziegelmauern eingestellten Holzskelett-Konstruktion in der Außenwand des Treppenhauses
  • Sanierung der Dachkonstruktion und der Holzpfeiler des Wintergartens
  • Statische Ertüchtigung und Sanierung der Erdgeschossdecken
  • Erneuerung des Balkons
  • Erkundung der Gebäudefundamente
  • Abbruch nachträglicher Einbauten
Freigelegtes marodes Holzfachwerk im Treppenhaus
Holzfachwerk nach der Sanierung

Diese Sicherungsarbeiten dauern voraussichtlich noch bis zum Sommer 2014 an. Danach sind die schweren, durch mangelhafte Bauunterhaltung verursachten Schäden behoben und das Gebäude befindet sich wieder im Rohbauzustand.

Besonders besorgt ist der Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V. über den Zustand der Original-Sprossenfenster. Nach Begutachtung durch verschiedene Spezialfirmen befinden sich die Fenster in einem so bedenklichen Zustand, dass sie nur mit einer zeitnahen Restaurierung gerettet werden können.